Ist Pimcore noch Open Source? Die Lizenzgeschichte präzise erklärt.
GPLv3, POCL, source-available: Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Wir ordnen ein, was sich wirklich geändert hat und was das für Ihr System bedeutet.
"Pimcore ist nicht mehr Open Source" ist eine Schlagzeile, keine präzise Aussage. Die genauere Version: Pimcore war bis Version 11.5 unter GPLv3 lizenziert, seit Version 12 gilt für die Community Edition die Pimcore Open Core License (POCL). Das ist ein Lizenzwechsel: Der Quellcode bleibt öffentlich, die POCL ist nach eigener Definition aber keine Open-Source-Lizenz. Der Unterschied zwischen beiden Aussagen entscheidet darüber, ob Sie eine fundierte Entscheidung treffen oder auf eine Vereinfachung hereinfallen.
Was ist der Unterschied zwischen GPLv3 und POCL?
GPLv3 galt bis einschließlich Pimcore 11.5 (Platform Version 2024.4, die letzte GPLv3-Release, mit LTS-Support bis Dezember 2026). Ab Pimcore 12.0 (Platform Version 2025.1) gilt für die Community Edition die POCL, die Pimcore Open Core License. POCL bedeutet: Der Quellcode bleibt offen und einsehbar, "source-available" im technischen Sinn, aber die Nutzung ist an kommerzielle Bedingungen geknüpft, konkret eine Umsatzschwelle von rund 5 Millionen Euro Jahresumsatz und Einschränkungen bei SaaS-artiger Weiterverteilung des Codes.
Source-available ist nicht dasselbe wie Open Source im engen Sinn
Das ist der Punkt, an dem viele Vergleiche ungenau werden. Im strengen Sinn der Open Source Initiative (OSI) bedeutet "Open Source" auch: keine Einschränkung der Nutzung nach Zweck, Umsatz oder Anwender. POCL erfüllt das nicht, der Code ist lesbar, änderbar, aber die Nutzungsrechte sind konditioniert. Pimcore selbst bezeichnet das Modell deshalb korrekt als "Open Core", nicht als klassisches Open Source. Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern entscheidet, ob eine juristische oder Compliance-Prüfung in Ihrem Unternehmen den POCL-Kern überhaupt als "Open Source" durchgehen lässt.
Was das für ein bestehendes Pimcore-System bedeutet
Ein Bestandssystem auf Pimcore 11 oder älter bleibt unter GPLv3. Der Lizenzwechsel zu POCL greift erst mit dem tatsächlichen Upgrade auf Version 12 oder höher, nicht rückwirkend. Wer auf 11.5 bleibt, hat bis Dezember 2026 ein unterstütztes GPLv3-System. Wer upgraden will oder muss, trifft mit dem Sprung auf 12 automatisch auch die POCL-Entscheidung, inklusive Umsatzschwelle und Produktregistrierungspflicht.
Repo-Trennung: was GPL geblieben ist, was privat wurde
Nicht der gesamte Bundle-Bestand folgt dem gleichen Weg. Die kommerziellen Enterprise-Bundles und Datahub 2.x liegen im privaten, POCL-/proprietär lizenzierten Repository. Die älteren GPL-1.x-Linien (etwa Datahub 1.x und die ursprüngliche Ecommerce-Framework-Bundle-Generation) sind archiviert und erhalten keine weiteren Fixes mehr. Wer ein Bestandssystem prüft, sollte deshalb neben der Pimcore-Kernversion auch prüfen, welche Bundle-Generation tatsächlich im Einsatz ist.
Drei Wege ab hier: bleiben, upgraden oder forken
Wer heute auf GPLv3 sitzt, hat im Kern drei Optionen. Bleiben auf 11.5/GPLv3, sicher bis Dezember 2026, danach nur noch ohne offizielle Sicherheitsupdates. Upgraden auf 12 oder höher, POCL-konform, mit den entsprechenden Bedingungen, aber mit vollem Zugriff auf aktuelle Bundles und Support, im Rahmen von Upgrades & Migration. Oder ein GPLv3-Ausweichpfad über OpenDXP, den DACHCOM-Fork von Pimcore 11, eine Option für Unternehmen, denen GPLv3 als Lizenzmodell strukturell wichtiger ist als der Zugriff auf die neueste Pimcore-Linie (Details zum Wechsel). Welcher Weg passt, ist keine pauschale Antwort, sondern hängt von Ihrer konkreten Bundle-Landschaft, Ihrem Umsatz und Ihrer Risikobereitschaft ab, genau das klärt ein Pimcore-Audit, bevor eine Richtung festgelegt wird. Wie die Umsatzschwelle konkret in eine Editionsentscheidung übersetzt wird, zeigt die Entscheidungsmatrix auf der Vergleichsseite Pimcore Enterprise vs. Community.
Warum wir das als Datenhoheits-Frage behandeln, nicht als Kostenfrage
Unser Argument für Pimcore ist nie "kostenlos", das wäre seit Version 12 auch schlicht falsch für die meisten unserer Zielkunden. Unser Argument ist Datenhoheit: ein quelloffener, einsehbarer Kern, kein nutzungsbasiertes Lizenzmodell, das automatisch mit Nutzern, SKUs, Kanälen oder Datenvolumen mitwächst, und volle Kontrolle über Hosting und Datenmodell. Das gilt unter GPLv3 genauso wie unter POCL, der Lizenzwechsel ändert die Nutzungsbedingungen, nicht das grundsätzliche Versprechen von Pimcore als quelloffener Plattform.
Häufige Fragen
Ist Pimcore noch Open Source?
Der Kern bleibt quelloffen und einsehbar, aber seit Version 12 unter der POCL, die Nutzungsrechte an eine Umsatzschwelle bindet. Im strengen OSI-Sinn ist das "Open Core", nicht klassisches Open Source, "nicht mehr Open Source" ist trotzdem zu pauschal, weil der Code weiterhin offenliegt.
Was bedeutet POCL genau?
Pimcore Open Core License: Der Quellcode bleibt einsehbar und anpassbar, die kostenfreie Nutzung ist aber an eine Umsatzschwelle von rund 5 Millionen Euro Jahresumsatz gebunden, mit Einschränkungen bei SaaS-artiger Weiterverteilung.
Bleibt mein bestehendes Pimcore-11-System unter GPLv3?
Ja. Der Lizenzwechsel zu POCL wirkt nicht rückwirkend. Er greift erst mit dem tatsächlichen Upgrade auf Pimcore 12 oder höher.
Was ist OpenDXP?
Ein von DACHCOM betriebener, GPLv3-lizenzierter Fork von Pimcore 11, mehr dazu unter OpenDXP und, falls ein Wechsel infrage kommt, unter Von Pimcore zu OpenDXP wechseln.
Warum wechselt Pimcore von GPLv3 zu POCL?
Die Details der unternehmerischen Begründung liegen bei Pimcore selbst. Technisch belegt ist: Ab Version 12 gilt für die Community Edition die POCL mit Umsatzschwelle und Produktregistrierungspflicht.
Ist POCL dasselbe wie eine proprietäre Lizenz?
Nicht ganz. Der Code bleibt lesbar und einsehbar, anders als bei rein proprietärer Software. Aber die Nutzungsrechte sind konditioniert, weshalb POCL weder klassisches Open Source noch eine geschlossene proprietäre Lizenz im engen Sinn ist.
Sollte ich wegen des Lizenzwechsels von Pimcore weggehen?
Das hängt von Ihrer Situation ab, nicht von der Schlagzeile. Wer unter der Umsatzschwelle liegt oder ohnehin eine kommerzielle Lizenz braucht, spürt in der Praxis wenig Unterschied. Ein Audit ordnet das für Ihren konkreten Fall ein, statt pauschal zu urteilen.
Unsicher, was der Lizenzwechsel für Sie bedeutet?
Wir ordnen Ihre konkrete Lizenzlage ein, ohne Panikmache und ohne pauschale Empfehlung.
Lizenzlage einordnen lassen